PC-Arbeit im Unterricht mit sehbehinderten und blinden Schülern

Grundig Business Systems GmbH, Bayreuth, unterstützt

Sehbehinderte und blinde Kinder haben es schwer im Unterricht der Regelschule. Die mündliche Beteiligung ist ihnen genauso möglich wie ihren normalsichtigen Mitschülern, aber sobald Texte gelesen oder geschrieben werden müssen, sind sie benachteiligt, denn erschwertes Sehen/Blindheit ist ein Zeitproblem.

Als sehbehindert gilt jemand mit einer Sehschärfe von 30 % oder weniger. Die gesetzliche Blindheit beginnt ab einem Visus von 2 % oder bei einem besserem Visus mit zusätzlichen weiteren erheblichen Einschränkungen.

Da die visuellen Anforderungen des Unterrichts ab Klasse 5 kontinuierlich ansteigen (Druckgröße und Umfang des zu bearbeitenden Textmaterials) und sich das Arbeitstempo deutlich erhöht, beginnen die sehbehinderten Kinder meist bereits in der Grundschule (z. T. ab der 2. Klasse) mit dem Tastschreibtraining am PC.

Folgende Gründe sprechen für die Verwendung des PC:

  • Die Lesbarkeit der selbst verfassten Texte ist optimal.
  • Es besteht die Option, digitale Schulbücher zu verwenden und auch hier Unterlagen in optimaler Lesbarkeit zu erhalten.
  • Durch Kombination mit einer Kamera können bei sehbehinderten Schülern sowohl das Tafelbild als auch Arbeitsunterlagen vergrößert auf den Monitor projiziert und entweder direkt durch Mitschrift in Word oder durch das Einfrieren als Bilddatei verarbeitet werden.
  • Lange Texte können durch die Vorlesesoftware akustisch wiedergegeben werden, um die Augen zu schonen.
  • Die Verwendung digitalisierter Arbeitsblätter ist für Sehbehinderte sehr wünschenswert, da je nach Kopiervorlage häufig eine z. B. benötigte Schriftgröße von 16 Punkten bei Vergrößerung auf DIN A3 gar nicht mehr erreicht wird.
  • Bei blinden Kindern wird der Computer in der Regel ab Klasse 3 fast ausschließlich zum Schreiben und Lesen benutzt, damit der Umgang mit diesem zur Selbstverständlichkeit wird und der Übergang auf die weiterführende Schule gelingen kann. Die Arbeit mit Papier und einer mechanischen Punktschriftmaschine sowie Punktschriftausdrucken tritt immer mehr in den Hintergrund („Das Mathematikbuch 4“ Lehrwerk der 4. Klasse, umfasst vier voluminöse Ringordner in Punktschrift).


Auf Grund der Mobilität werden in der Schule meistens Notebooks verwendet. Diese sind bei blinden Schülern mit einer Braillezeile und einer Vorlesesoftware ausgestattet, bei sehbehinderten oft mit einer Vergrößerungs- und Sprachausgabensoftware sowie einer externen Tafelkamera. Die blinden Schüler bedienen ihr Notebook ausschließlich mit der Tastatur und können auch noch die Braillezeile zu Hilfe nehmen. Auch für die sehbehinderten Schüler ist es von unschätzbarem Vorteil, Tastenbefehle zu benutzen, weil sie mit dieser Navigationsmethode nicht nur den schnelleren sondern auch den sicheren Weg gehen (einmal „versehen“ beim Drag-and-Drop-Verfahren und schon ist eine Datei in den Tiefen des PC verschwunden).

Die Beherrschung des richtigen Fingersatzes beim Tastschreiben, eine Geläufigkeit, die zumindest – bei sehbehinderten Schülern – mit dem handschriftlichen Schreiben konkurrieren kann und Grundkenntnisse von Tastenbefehlen sind Voraussetzungen, die geschaffen werden müssen, bevor ein PC-System für einen blinden oder sehbehinderten Schüler angeschafft wird.

Aus diesem Grund gibt es zunehmend mehr sehgeschädigte Kinder und Jugendliche, welche die professionelle Unterstützung beim Tastschreiben in den Vereinen des Deutschen Stenografenbundes suchen (www.stenografenbund.de).

Mit Hilfe von 4 digitalen Diktiergeräten Digta 415, einschließlich Dockingstation, Netzteil, USB-Kabel, Akku, Tasche  sowie 4 zusätzlichen Fußschaltern, die durch eine großzügige Spende der Grundig Business Systems GmbH, Bayreuth, an das Sammler- und Hobbyforum e. V. (Schreibmaschinenmuseum), in Wardenburg erfolgte, wird seit kurzem im Oldenburger Stenografenverein, der Akademie AWeStO, ein neuer Weg beschritten, um die Monitorarbeit beim Tastschreibtraining abzulösen. Für die blinden Schüler wird durch diese Sachspende eine deutlich größere Möglichkeit geschaffen, an Wettbewerben teilzunehmen.

Grundig Digta 415
Grundig Digta 415

Die zwei Fotos zeigen die blinde 13-jährige Christin Dickmann, Dörpen, bei der Arbeit am Computer mit der hilfreichen Braillezeile.

Christin Dickmann am Laptop  Laptop mit Braillezeile

Dieses ist der Arbeitsplatz des stark sehbehinderten 12-jährigen Lennart Behrens in seiner Schule, dem Gymnasium Eversten in Oldenburg.

Arbeitsplatz mit Tafelkamera

Die Übergabe der 4 Diktiergeräte-Stadtionen erfolgt am

Mittwoch, 9. Februar 2011 um 17:30 Uhr

im Raum 303 der Berufsbildenden Schulen Wechloy, Am Heidbrook 10, 26129 Oldenburg. Anschließend erfolgt ein erstes Training. Jüngste blinde Teilnehmerin wird die 9-jährige Ceyda Pala aus Delmenhorst sein.

Am Monatag, 14. Februar 2011, ab 17:30 Uhr wollen die Kinder dann den ersten Versuch starten und am Bundesjugendschreiben (www.bundesjugendschreiben.de)  teilnehmen. Wir sind alle recht gespannt und werden weiter berichten.

Silke Behrens, Ute Wild